Fahrradmitnahme in der Bahn

Fahrradmitnahme in der Bahn © ADFC/Christoph Eckelt

ADFC Offenburg fordert Rad- und Mobilitätszentrum am Bahnhof

 

Zur Aufwertung des Bahnhofs als integrierte Mobilitätsstation schlägt der ADFC eine bewachte Radabstell- und Service-Einrichtung mit einer Info-Zentrale vor. Das Konzept liegt vor und wurde bereits öffentlich erörtert.

 

Die Idee
Um die drängenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, die
Verkehrswende zu gestalten und um den Verkehrskollaps in Offenburg zu vermeiden,
bedarf es innovativer, kreativer und mutiger Ideen. Die Förderung des Radverkehrs
spielt in diesem Zusammenhang eine herausragende Rolle. Die Idee des ADFC
Offenburg, den Offenburger Bahnhof als zentrale Drehscheibe rund um die Mobilität
und den Radverkehr zu entwickeln, kann dazu einen sehr erheblichen Beitrag leisten.
Realisiert werden könnte das Zentrum durch eine Entwicklungskooperation zwischen
der Stadt, dem ADFC Offenburg und Dritten.
Das Konzept deckt zudem sehr viele Handlungsfelder der Radstrategie Baden-Württemberg ab,
z.B. Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln, Mobilitätserziehung, gesellschaftliche
Teilhabe, Information, Radtourismus.
Das sind unter anderem auch die Handlungsfelder, nach denen Kommunen für ihre
Fahrradfreundlichkeit bewertet werden.

Die gegenwärtige Situation
Der Offenburger Bahnhof ist faktischer und symbolischer Mittelpunkt der Mobilität in
der Region. Diese Funktion nimmt er bisher nicht wahr, insbesondere was den
Radverkehr betrifft. Dazu, wie der Bahnhof funktionales Zentrum des Radverkehr
(Begriff „Radzentrum“ oder „Rad- und Mobilitätszentrum“) werden kann, präsentiert
der ADFC Offenburg folgendes Konzept. Der Vorschlag ist gut vereinbar mit den Zielen
der Offenburger Rad-, Verkehrs- und Stadtplanung, die dem Bahnhof eine zentrale
Stellung einräumt und als zukünftige „Mobilitätsdrehscheibe“ definiert (BVorl. DS
107/20)
...„Das Bahnhofsumfeld sowie auch das Bahnhofsgebäude selbst weisen erhebliche Mängel auf.
Beispielhaft seien hier Leerstände im Bahnhofsgebäude, untergenutzte Grundstücke im
unmittelbaren Bahnhofsumfeld und mangelnde Aufenthalts- und Nutzungsqualität genannt.
Der Bahnhof ist ein wichtiges Eingangstor zur Stadt. Besucher sollten hier einen besonders
guten ersten Eindruck von Offenburg erhalten und in der Stadt gut empfangen werden. Wenn
z.B. Großveranstaltungen mit vielen auswärtigen Besuchern wie eine Landesgartenschau in
Offenburg ausgerichtet werden, ist dieses Ziel noch stärker hervorzuheben... Um die heutige
Anbindungsqualität im Fernverkehr zu erhalten und um das Potential durch die oben genannten
Ausbaumaßnahmen möglichst stark zu nutzen und so die Anbindungsqualität weiter stärker zu
können, muss der Bahnhof nicht nur für Offenburger, sondern auch für Fahrgäste aus der Region
attraktiv und gut nutzbar sein. Um das wirtschaftliche Potential des ICE-Halts bestmöglich zu
nutzen, müssen sowohl die Innenstadt als auch die Unternehmensstandorte gut mit dem Bahnhof
verknüpft sein.“ (BVorl. DS 107/20 v. 27.7.2020)


Konkretisierung des Vorschlages
Der ADFC Offenburg schlägt vor ein Fahrradzentrum am Offenburger Bahnhof zu
verwirklichen. Das Zentrum bietet Serviceleistungen rund um das Rad und dient der
Förderung umweltfreundlicher Mobilität. Das Konzept besteht aus zwei Säulen:
einer Radabstellanlage (1) und einem Rad-Informations-Zentrum (2).
(1) Teil des Konzeptes ist eine personell besetzte Radabstellanlage am Bahnhof, die
an allen Tagen von 5:30 bis 23.00 Uhr geöffnet hat und genügend Stellplätze für
Fahrräder zu günstigen Preisen (Tagestickets, Monatstickets, Jahrestickets) bietet.
Schüler*innen, Berufs- und Ausbildungspendler*innen und Radtouristen*innen
könnten so ihr Fahrrad sicher abstellen. Besonders Pendler*innen zur Hochschule, zur
Kreisverwaltung oder zu Firmen, die in Offenburg ansässig sind, könnten davon
profitieren und sich motivieren lassen, in Zukunft häufiger ÖPNV, Bahn und Rad zu
benutzen. Damit ließe sich ein wesentlicher Beitrag zur beabsichtigten Stärkung des
multimodalen Verkehrs und zur Steigerung des Rad- und ÖPNV-Anteils realisieren.
Auch die auspendelnden Radfahrenden würden eine sichere Abstellanlage vorfinden.
Beispiel: www.radstation-muelheim.de
In die Radabstellanlage integriert werden könnten vielfältige Serviceangebote.,
beispielsweise eine Paketabholstation, der Verkauf von Radzubehör, eine kleine
Werkstatt und ein Café.
Die Radabstellanlage würde bewirtschaftet von Menschen, die auf dem ersten
Arbeitsmarkt nur schwer eine Anstellung finden.
(2) Im „Rad-Informations-Zentrum“ (oder Info-Zentrum, Info-Laden, Info-Treff, „Forum
Rad“, „Rad Forum“) könnten Touristen*innen Informationen zu Radtouren erhalten
oder geführte Radtouren planen lassen und durchführen. Bereitgestellt werden können
Pläne, GPS-Tracks und GPS-Geräte mit vorgeplanten Touren. Auch Radworkshops,
Fahrradlernkurse (z.B. für Migrant*innen), verkehrspädagogische Jugendarbeit,
Helmberatungen, Fahrradcodierungen oder kleinere Veranstaltungen rund um die
Mobilität ließen sich dort abhalten. Die Einrichtung könnte auch als Forum, Anlaufstelle
und Treffpunkt für bürgerschaftliche Initiativen rund um das Fahrrad dienen.
Teil des Gesamtkonzeptes könnte der Verleih von Fahrrädern/Pedelecs sein. Dies ist
gerade für Radtouristen sehr interessant, die mit der Bahn ankommen und hier ein
hochwertiges Fahrrad für ihren Aufenthalt in der Ortenau ausleihen können. Die
Nachfrage ist da! Auch der Verleih von Lastenräder wäre durch die Nähe zur
Innenstadt/Einkaufsmöglichkeiten hier ideal.
Beispiel: Heidelberg: www.zum-hd.de
Für die gezielte Information, Beratung und die Planung von Aktivitäten und Projekten
„Rund um das Radfahren und die Mobilität“ müsste für das Rad-Informations-Zentrum
eine qualifizierte Kraft gewonnen und beschäftigt werden.


Trägerschaft / Betreiber
Als Betreiber des Radzentrums kommt z.B. ein gemeinnütziger Träger in Frage
(Beispiel Mülheim an der Ruhr: PIA-Stadtdienste gGmbH), der die Geschäftsführung
übernimmt und das Personal für die Betreuung der Radabstellanlage stellt. Tätig
werden könnten auch Personen in von der Bundesagentur geförderter Beschäftigung
(Langzeitarbeitslose).
Die Stelle für die Beratungskraft des Rad-Informationszentrum könnte über den
städtischen Etat oder zunächst über eine Projektstelle finanziert werden.
Klärungsbedarf
Welche Flächen und Gebäude stünden zur Verfügung?
- In wessen Besitz befinden sie sich?
- Welche Kauf-, Sanierungs- und Baukosten würden entstehen?
- Wer kommt als Träger für das Vorhaben in Frage? (1) Für die Rad- und
Servicestation/ Fahrradabstellanlage könnte dies ein Offenburger
gemeinnütziger Träger sein. Für das Informationszentrum (2) könnte der ADFC
die Organisation und Verantwortung übernehmen. Wie ist die Finanzierung der
Investitionskosten möglich? Wie ist die Finanzierung der Beratungsstelle
abzusichern?
- Welche Mittel und Fördertöpfe könnten in Anspruch genommen werden:
o Innovationsprojekte zur Mobilität (Bundes- und Landesministerien, EU)
o Beschäftigungsförderung und Integration von Langzeitarbeitslosen
(Lokale Arbeitsagentur, Arbeits- und Sozialministerien)
o Tourismus- oder Wirtschaftsförderung (lokal, regional)
o Kultur- und Bildungs-Etat (Kurse rund ums Rad, Veranstaltungen zur
Mobilität) (VHS, Kulturamt, ...)
o Förderung RadKULTUR BW
www.radkultur-bw.de/radkultur-vor-ort
o Beschäftigungsförderung und Integration von Langzeitarbeitslosen
(Lokale Arbeitsagentur, Arbeits- und Sozialministerien)
o Tourismus- oder Wirtschaftsförderung (lokal, regional)

Fazit:
Durch eine solche „zentrale Drehscheibe rund um das Rad und die umweltfreundliche
Mobilität“ würde nicht nur die multimodale Mobilität in Offenburg und Umgebung
erheblich gestärkt, sondern auch das Bahnhofsumfeld als Eingangstor zur Stadt
aufgewertet und positiv belebt. Von einer überregionalen Ausstrahlung und einem
Imagegewinn für Offenburg kann ausgegangen werden.

Rückfragen an:
Monika Kunschner
Vorsitzende ADFC Offenburg
St.-Peter und Paul-Str. 42 - 77652 Offenburg - Tel.: 01577 90 30 936

 

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https://offenburg.adfc.de/artikel/die-nabe-der-welt-1

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